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Die Bildung ist für die Auszubildenden da – warum liberale Ideen die besseren Ergebnisse bringen

17.06.2013 Wieland Alge

Was erwartet denn „die Wirtschaft“ von den Schulen und Universitäten? Die unvermeidliche Frage an einen Unternehmer wie mich. Fast immer mit der Erwartungshaltung, dass ich mir Absolventen wünsche, die möglichst friktionsfrei in die bestehende Wirtschaftsstruktur eingegliedert werden können.
Mitnichten! Ich wünsche mir Absolventen, die fähig sind, in wenigen Jahren auf die dann herankommenden Herausforderungen ihre eigenen Antworten zu finden.

Bildung hat ein ultimatives Ziel: Die nächste Generation auf ihre große Herausforderung vorzubereiten, nämlich ihre eigene Gesellschaft und Wirtschaft zu definieren und umzusetzen.
Das Bildungssystem hat nicht für die jetzige Gesellschaft zu produzieren. Genau deshalb müssen die Ausgebildeten mitentscheiden, wie sie ausgebildet werden sollen.
Die zwei großen missglückten Entwürfe der letzten Jahrzehnte sind einerseits das undurchlässige Frühsepariersystem (i.e. Österreich) sowie das verflachte Gesamtschulsystem a la Hessen. Beide Systeme haben nach wie vor ihre rigorosen Befürworter, die das Scheitern ihrer Utopie mit wortreichen Erklärungen zu vernebeln suchen.
Was daran war aber falsch? Nicht die Details, nicht schlampige Ausführung, an der gefeilt und reformiert werden kann, sondern das Fundament.
Beide Bildungsansätze kranken daran, dass Schule dazu da ist, die Kinder und Jugendlichen in die jetzige Erwachsenengeneration zu integrieren, dh funktionierende Mitglieder der existierenden Gesellschaft zu schaffen.
Je nach Dogma sind also für konservative Vertreter die Eltern bzw für linke Vertreter der Staat die bestmöglichen Entscheider, wenn es um das Wohlergehen der Erziehenden geht.
Im Endeffekt geht dann in Österreich der Unternehmersohn ins Gymnasium und die Migrantentochter in die Hauptschule ohne weitere Ziele völlig unabhängig von Interessen und Begabung der Betroffenen.
In Hessen bestehen alle dasselbe Alibi-Abitur, die einen mit etwas Anstrengung, die anderen mit sehr viel Freizeit. Nur um dann umso erstaunter zu erleben, wie viel Interessantes und Wichtiges es noch zu lernen gäbe bzw gegeben hätte.
Eine urliberale Forderung ist, Menschen über ihre eigenen Schicksale entscheiden zu lassen. Schulautonomie und die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche entscheiden zu lassen, welche Interessen sie am Meisten ansprechen, ist nicht ideologiefrei, im Gegenteil.
Das ist Liberalismus in Reinkultur. Gesamtschulen mit starken Differenzierungen, Mittlere Reife für alle.

Alle diese Dinge entstehen ganz automatisch, wenn man nur einmal darüber nachdenkt, dass Schulen für die Schüler da sind.