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Es braucht einen Plan für das (Süd-) Burgenland

Das Burgenland hat die älteste Bevölkerung, den ärmsten Bezirk Österreichs und im Süden auch noch einen Ärztemangel. Es braucht einen Zukunftsplan!

Kassenärzte bekommen in der Steiermark mehr Geld von der Krankenkasse bezahlt als im nahen Burgenland. Diese Blüte blinden Föderalismus bewirkt, dass Jungärzte ihre Praxis nicht im Burgenland, sondern in nahen steirischen Gemeinden eröffnen. Ein Umstand, der dazu führt, dass gerade im Südburgenland immer weniger Ärzte für eine immer ältere werdende Bevölkerung zur Verfügung stehen. Dabei ist es gerade den weniger mobilen älteren Bürger_innen mangels breit aufgestelltem öffentlichen Verkehr nicht möglich, in steirische Praxen auszuweichen. Ich fürchte, dies ist ein weiterer Mosaikstein in der strukturellen Benachteiligung des Südburgenlandes.

Generell vermisse ich einen Plan, wohin sich das Burgenland entwickeln soll. Gerade in EU-Wahlkampfzeiten hört man viel über den Segen, den die Ziel-1-Förderungen über das Land gebracht hätten. Ich sehe das anders. Das Bruttoregionalprodukt des Burgenlandes im Vergleich mit Gesamtösterreich lag vor den Förderungen bei 66% – nach den Förderungen bei 68%. Oberpullendorf kommt gar nur auf 57% und ist damit das Schlusslicht Österreichs.

Meine Kritik trifft aber nicht die EU selbst, sondern das Land Burgenland, das für die ineffiziente Verteilung der Milliardenförderungen verantwortlich ist. Man hat hier vor allem auf die Ansiedlung von Produktionshallen und Thermenprojekte gesetzt, dabei aber vergessen, darauf zu achten, dass durch die Förderungen qualifizierte Jobs entstehen, die auch Burgenländern zu Gute kommen. Während Ungarn in das Burgenland pendeln, pendeln die Burgenländer aus, um woanders ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele ziehen einfach weg. Dabei hätte das Burgenland die höchste Maturantenquote. Aber leider auch die niedrigste Akademikerquote. Ich vermute: man maturiert, um rauszukommen.

Um die Überalterung zu stoppen, qualifizierte Jobs zu ermöglichen und das Burgenland guten Gewissens in eine Zukunft zu führen, die für Jung und Alt Perspektiven bietet, braucht es einen Plan. Unter breiter Einbeziehung der Bevölkerung muss entschieden werden, wohin sich unser Land wirtschaftlich und touristisch entwickeln soll. Und zwar besser heute als morgen, denn nur wenn wir wissen, wo wir hin wollen, können wir Gelder und Mittel sinnvoll einsetzen.

Wichtig ist dabei auch die Berücksichtigung des Südburgenlandes. Seit ich mich erinnern kann, kommen sich das Mittel- und das Südburgenland benachteiligt vor. Zu Recht. Hier muss man die vorhandenen Schätze heben.