« Zurück zur Übersicht

Warum ich als Katholik für die Sonntagsöffnung bin

Während der Wirtschaftsminister als Gewerkschafter dilettiert, werden sich auch diesen Sonntag wieder lange Schlangen an den Kassen der privilegierten Wiener Lebensmittelgeschäfte bilden. „Privilegiert“ im wahrsten Sinne des Wortes – gesetzlich bevorteilt aufgrund ihrer Standorte innerhalb von Bahnhofsgebäuden. Nur dort dürfen die Unternehmer nach den Regeln von Angebot und Nachfrage entscheiden, ob sie ihre Läden länger als 72 Stunden pro Woche, nach 21 Uhr oder am Sonntag offenhalten wollen. Überall anderswo wird das durch das euphemistisch benannte „Öffnungszeitengesetz“ verhindert.

Ich bin für die ersatzlose Abschaffung dieses Gesetzes.

Dadurch wird – für viele sicher überraschend – jedoch keine einzige Arbeitnehmerin betroffen. Das Öffnungszeitengesetz schränkt lediglich die Handelsgewerbetreibenden ein. Nicht in ihrer allfälligen Eigenschaft als Arbeitgeber, sondern nur in ihrer Eigenschaft als selbständig Erwerbstätige. Die Beschäftigung von Arbeitnehmern wird nämlich in ganz anderen Gesetzen geregelt, hauptsächlich im Arbeitsruhegesetz. Über 10% der Angestellten sind bereits jetzt regelmäßig an Sonntagen beschäftigt – von der Gastronomie über den Öffentlichen Verkehr, die Krankenpflege oder die Medien bis zur Polizei. Die in diesen Branchen geltenden Arbeitnehmerschutzvorschriften, einschließlich des Anspruchs auf „Freizeit zur Erfüllung der religiösen Pflichten“, sind vollinhaltlich auch auf das Handelsgewerbe anwendbar. Dazu kommt, dass es sowieso schon umfangreiche Ausnahmebestimmungen gibt, von Tourismusregionen (zu denen nach Ansicht der Wiener Wirtschaftskammer kurioserweise die Bundeshauptstadt nicht gehört) über Tankstellenshops bis zu „Reiseproviant“.

Selbst bei Verzicht auf die zusätzlichen Arbeitsplätze – die wohl überwiegend von Personen ohne Kinder im Haushalt nachgefragt würden (vor allem von Studenten und älteren Arbeitnehmern) – gibt es keinen vernünftigen Grund, einem Greißler oder einer Boutique-Inhaberin zu verbieten, sich selbst sonntags ins Geschäft zu stellen. Ob sich das auszahlt oder nicht, können die Unternehmer immer noch besser entscheiden als die Obrigkeit.

Wie sich diese Position mit meinem Glauben verträgt? Als gläubiger Christ und Kirchgänger gehöre ich mittlerweile einer Minderheit in diesem Land an. Wir können Nicht- und Andersgläubigen ohnehin nicht vorschreiben, dass sie das dritte Gebot (bzw. § 2185 des Katechismus) befolgen. Selbst in den katholischsten Ländern Europas (Irland, Polen, Italien,…) werden den Gewerbetreibenden keine derartigen Verbote gemacht wie hierzulande. Der besondere Wochentag für den Gottesdienst und die Familie ist eben nur für diejenigen besonders, denen diese beiden Punkte vorrangige Anliegen sind. Allen anderen soll der Staat ihre Wahlfreiheit nicht einschränken.

  • Lieber Karl, wie gehst du als Katholik eigentlich mit eher typischen, denn außergewöhnlichen Erscheinungen wie http://www.kaboe.at/ um? Mitglieder in der „Wege aus der Krise“-Allianz aus Attac/Armutskonferenz/GdG-KMSfB/GLOBAL 2000/GPA-djp/Greenpeace/ÖH/PRO-GE/SOS Mitmensch/VIDA.